VICTIMS OF LOVE | OPEN CALL

Victims of Love“ Arbeitstitel und ein „Jetzt“

Einige Fakten.
Es haben sich bis jetzt 45 Personen interessiert gezeigt. Mit manchen gab es eine Kommunikation in hoher Intensität, die Einsicht gewähren ließ an das, was die Liebe und/oder auf was die Liebe gerichtet ist. Schön ist es zu sehen, dass in den Beschreibungen dieser
Lieben keine künstlerische Konstruktionen oder kulturelle Normen erfüllt werden. Etwas zu lieben zeigte sich als unbeirrbarer Weg und liegt in einer eigenen, zeitlichen Dauer.

Der Begriff Opfer fand meistens eine negative Konnotation in der Wirklichkeit und des Wirklichen. Dabei wird die Illusion, der Schein der Wirklichkeit als Erkennen missachtet. Menschliche Gemeinschaften sind strukturierte Gewalt, Gewalt an der Welt, die strukturell Beziehung ist zwischen allen – dazwischen irgendwo der Mensch.

Doch viele Eingaben kamen über eine Information der eigenen Arbeiten nicht hinaus oder hatten mit dem Subjekt des Projekts gar nichts zu tun. Manchmal fragte ich mich, ob die Angebote, die unterbreitet wurden, reine Gedankenlosigkeit oder Furcht vor der Bloßlegung innerer Bewegungen sind – physisch, psychisch und mental.

Ein Phänomen zeigte sich in dem Begriff Trauer. Vielleicht wird das ein Schwerpunkt.
Ein weiteres Phänomen ist die
Schuld. Uneingestandene Schuld. (Eine wunderbare Denkfigur dazu ist im Alten Testament die Geschichte von Hiob)

Weiter getätigte Open-Calls blieben fruchtlos, meint, nur Interesse an einer biographischen Notiz flatterten online herein.
Einige Personen sind oder werden noch direkt angeschrieben.

Das Log-Buch hat bis jetzt etwa 105 Seiten und wächst mit einer gebührend-angenehmen Zeit.
Es hat sich bis jetzt keine Möglichkeit herausgebildet aus den Eingaben ein Präsentations-Format zu entwerfen.

Folgendes könnte ein vorstellbares Fundament sein: Eine Konferenz und eine Ausstellung.
Es wird einen Leseraum geben, es werden viele Filme und Video’s gezeigt. Es wird Vorträge und Gesprächskreise geben.

Aus dem Spektrum der Einreichungen haben sich thematische Blickwinkel kristallisiert, die bereits Realisierungsformen fanden. Zu nennen ist der Vortrag von Harry Walter aus Stuttgart, der drei Formen des „Erfolgreichen Scheiterns“ vorstellte. Ein Beispiel war der Modellbau von Wolfgang Frey. Was in dem Vortrag schön zur Geltung kam, war das Zeigen der Liebe zu dem Modell des Stuttgarter Hauptbahnhof, die Hingabe an das Modell 1zu16, die Zwanghaftigkeit Modell und Realität zur Übereinstimmung zu bringen und das Scheitern durch die Schnelligkeit der realen Veränderung und Begrenztheit des eigenen Lebens (Bild 1).
Ob sich „Scheitern“ hält um eine Präsentationsform zu werden, wird sich zeigen. Ich bin bereit.

Ein wunderbares und hilfreiches Buch für „Victims of Love“ ist Helga Peskoller’s Extrem.
Die Hoffnung, dass es eine europaweite Kooperation (mit den Partnern der Projekte „Kunst der Begegnung“) geben wird, erfüllte sich nicht. Wenn es zu einer öffentlichen Präsentation kommen sollte, muss die
Organisationsform neu gefunden, entwickelt und sinnvolle Kooperationen gebunden werden.

Diesen Satz fand ich kürzlich:
Das Opfer hat u.a. eine Ursache, eine Triebkraft, die ich so umschreiben werde:
Ein Opfer ist ein Handlungsphänomen, in dem ein Mensch soziale Gegebenheiten in der Art und Weise erfährt, das er ein Kleidungsstück, das schon mal getragen wurde neu erwirbt, anzieht und den Eindruck gewinnt, dass in diesem Kleidungsstück bereits ein „
Jemand“ ist, der nun mit ihm ist.
ASA-European / E.P.I.Zentrum / Boris Nieslony 20.12.2020

Foto ©Harry Walter „Wolfgang Frey beim Säubern der Modellbahnlandschaft“

 

„Victims of Love“ working title and a „now“.

Some Facts.
So far 45 people have shown interest. With some of them there was a communication of high intensity that gave insight into what love is and/or what a love is directed towards. It is beautiful to see that in the descriptions of these loves no artistic constructions or cultural norms are fulfilled. To love something showed itself as an unswerving way and lies in its own, temporal duration.

The term victim mostly found a negative connotation in reality and the real. Thereby the illusion, the appearance of reality is disregarded as recognition. Human communities are structured violence, violence to the world, which is structurally relationship between all – in between somewhere the human being.

But many submissions did not go beyond informing of one’s own work, or had nothing at all to do with the subject of the project. Sometimes I wondered if the offers made were pure thoughtless-ness or fear of exposing inner movements – physical experiences, psychological analysing and mental stringence. (all together a development of the body of language)

One phenomenon showed up in the term grief. Perhaps this will become a focus.
Another phenomenon is guilt. Unacknowledged guilt. (A wonderful figure of thought on this in the Old Testament is the story of Job).

Further open calls remained fruitless, means, only interest in a biographical note fluttered in online.
Some persons are or will be contacted directly.

The log-book has so far about 105 pages and grows with a duly-pleasant time.
No way has yet emerged to design a presentation format from the input.

The following could be an imaginable basement: a conference and an exhibition.
There will be a reading room, there will be many films and video’s shown. There will be lectures and discussion groups.

From the spectrum of submissions, thematic perspectives have crystallized that have already found forms of realization. To mention is the lecture of Harry Walter from Stuttgart, who presented three forms of „successful failure“ by three diverse humans. One example was the construction of a city-model by Wolfgang Frey. What came out beautifully in the lecture was the showing of the love for the model of the Stuttgart main station, the devotion to the model 1to16, the compulsiveness to bring model and reality to agreement and the failure by the speed of the real change and limitedness of the own life (picture 1).
Whether „failure“ holds up to become a form of presentation remains to be seen. I’m ready.

A wonderful and helpful book for „Victims of Love“ is Helga Peskoller’s “Extrem”.
The hope that there will be a Europe-wide cooperation (with the partners of the projects „Art of Encounter“) did not come true. If it should come to a public presentation, the organizational form will have to be found anew, developed and meaningful cooperations will have to be bound.

I found this sentence recently:
Victim has, among other things, a cause, a driving force, which I will paraphrase thus:
A victim is an action phenomenon in which a person experiences social circumstances in the way that he reacquires a piece of clothing that has already been worn once, puts it on, and gains the impression that in this piece of clothing there is already a „someone“ who is now with him.

ASA-European / E.P.I.Center / Boris Nieslony 20.12.2020

Photo ©Harry Walter „Wolfgang Frey cleaning the model railway landscape“.