sharing 576h_day 3 | Christiane Obermayr & Christane Strauss

>sharing 576h<
01.-24. September 2017

day 3 | 03. September 2017

Artists
CHRISTIANE OBERMAYR & CHRISTIANE STRAUSS
alias
Mayri & Straussn

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„Wer schon mal versucht hat, eine Maus zu melken, weiss wie schwierig das ist! Alle anderen Probleme sind dagegen “Pille-Palle”!“ (eltenjohn bei gutefrage.net)

 

“Mäusemelken!”

Vorsichtig tasten sich die Fingerspitzen an das zarte Organ. Jetzt den Schemel in Postion bringen. Mayri & Straussn melken den musculus artis.

 

Wie viel Zeit und Mäuse braucht man für einen Liter Milch? Wie melkt man Mäuse? Geht das eigentlich?

 

Unsere Basis: Die sprichwörtliche Verdeutlichung eines Experiments am schier Unmöglichen.
Wir kultivieren die Verzweiflung, machen uns leicht im Angesicht des unüberwindlichen Abgrunds zwischen uns und dem Ergebnis, und nehmen den Wahnsinn an Bord.

 

Unser Material:
1 Eimer (verzinkt), 2 Melkschemel, 15m Stoff, rote Kreide, Muttergottes mit Sohn (gerahmter Druck, unbekannter Künstler), 2 Paar Mickey Mouse-Ohren

Zu zweit betreten wir den Kosmos des Mäusemelkens. Raum und Material nehmen uns an die Hand und arbeiten sich nach und nach in unsere Körper ein. Alles in Bewegung, nichts bleibt. Der Raum verändert seinen Klang, sein Licht, Luft und Temperatur, atmet in tiefen Zügen, dehnt sich ins Unendliche, um uns bald als kleiner Mäusekäfig gefangen zu nehmen und größtmögliche Freiheit zu schaffen. Publikum kommt und geht, Zeitlosigkeit entsteht. 15 Meter Stoff dominieren den Raum, anfangs hart und zäh unter unseren Händen, beugt er sich nach Stunden und entfaltet sich zum Platz unserer Regeneration. Zähmen und gezähmt werden. Ein Moment lässt den Raum zum Bild erstarren, unhaltbar, die Zerstörung unausweichlich. Das uns verschworene Material weist den Weg. Matryoshka-artig entpuppen und vermehren sich die Möglichkeiten.
Die Melkschemel begleiten uns wie treue Hunde, Mother Mary Mouse hält ihre gute Hand über uns.
Geräusche schwappen an den Kosmos-Rand/Strand. Die Dynamik der Partnerin wird zum zweiten Herzschlag. Die Situation gleicht einer Wasseroberfläche in der wir uns verbinden, auflösen, versinken oder getragen sind, immer in Beziehung stehen zu dem was die andere tut. Der kleinste Kieselstein bewegt das ganze. Klare Momente und diese in denen wir uns verzettelt, nichts zustande kommt – zum Mäusemelken…..wieder eine Maus falten – wird zum vertraulichen Akt.

 

Auf dem Nachhauseweg betrachtet uns das Kamera-Auge und sie bellen noch lange hinter uns her- unsere zwei Schemel.

 

Kunst und Mäusemelken sind Schwestern.

 

Weiterführende Links und Infos zur Mäusemelkmaschine: Link